Verbindungsauskunft

Bahn-Probe­be­trieb Gotteszell-Viechtach: Fahrgast­zäh­lungen der BEG wider­legen Zahlen des Förder­vereins Go-Vit

Bahn-Probe­be­trieb Gotteszell-Viechtach: Fahrgast­zäh­lungen der BEG wider­legen Zahlen des Förder­vereins Go-Vit

Zahlen der BEG weit unterhalb der von Go-Vit veröffentlichten Daten / Methodische Schwächen bei der Erhebung von Go-Vit / Bewertung erst gegen Ende des zweijährigen Probebetriebs sinnvoll

MÜNCHEN. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Regional- und S- Bahn-Verkehr im Auftrag des Freistaats plant, finanziert und kontrolliert, kann die von Go-Vit veröffentlichten Zählergebnisse nicht bestätigen. Der Förderverein spricht in seinen Veröffentlichungen von 820 Fahrgästen und damit einer deutlichen Steigerung des Fahrgastaufkommens. Die „Fahrgastzahl“ – gemeint ist hiermit die Anzahl der Personen­kilometer pro Kilometer betriebener Strecke – liegt gemäß Go-Vit-Angaben bei 539.

 „Gemäß den Erhebungen der BEG bewegt sich die Nachfrage allerdings weit unterhalb dieser Werte“, stellt Johann Niggl, Sprecher der Geschäftsführung der BEG, fest. Im ersten Quartal 2017 nutzten durchschnittlich 513 Fahrgäste die Züge zwischen Gotteszell und Viechtach an Werktagen während der Schulzeit, das sind gut 7 Prozent weniger als im vierten Quartal 2016. Im zweiten Quartal 2017 stieg die Zahl auf 597 Fahrgäste, das ist ein Plus von knapp 8 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2016. In den Schulferien sowie an Wochenenden werden die Züge deutlich weniger genutzt. Entscheidend für das Ergebnis des zweijährigen Probebetriebs sind jedoch die Personenkilometer je Kilometer Streckenlänge. Nach 379 Personenkilometern je Kilometer Streckenlänge an Werktagen während der Schulzeit im vierten Quartal 2016 ging die Zahl im ersten Quartal 2017 auf 330 zurück (-12 Prozent) und stieg im zweiten Quartal auf 392 (+3 Prozent).

 Grundlage für die Bewertung sind die Personenkilometer

Die BEG hat auf der Strecke Gotteszell-Viechtach einen zweijährigen Probebetrieb bestellt. Maßgeblich für die Bewertung des Probebetriebs sind nicht die Fahrgastzahlen, sondern die Personenkilometer je Kilometer betriebener Strecke. Werden 1.000 Personenkilometer erreicht, steht eine Fortsetzung im Regelbetrieb in Aussicht. Wird dieses Kriterium verfehlt, wird der Betrieb zum 11. September 2018 enden.

 Im Unterschied zu den Fahrgastzahlen berücksichtigen die Personenkilometer, ob ein Fahrgast auf der gesamten rund 25 Kilometer langen Strecke zwischen Gotteszell und Viechtach unterwegs ist oder beispielsweise nur auf den rund zehn Kilometern zwischen Gotteszell und Teisnach. 1.000 Personenkilometer werden dementsprechend erreicht, wenn pro Tag 1.000 Personen auf der gesamten Länge der Strecke fahren oder 2.000 Personen jeweils auf der Hälfte der Strecke unterwegs sind.

 Das Fahrgastpotenzial von 1.000 Personenkilometern als Richtschnur für die Reaktivierung einer Bahnstrecke ist weder eine „fiktive Zahl“ –  wie vom Förderverein  Go-Vit festgestellt –  noch eine willkürliche Festlegung der BEG. Die Zahl ist in erster Linie aus einer Maßgabe des Bundes abgeleitet: Erst wenn 1.000 Personenkilometer je Kilometer betriebener Strecke an Werktagen während der Schulzeit erreicht werden, ist der Bund in der Regel bereit, in den Ausbau der Infrastruktur zu investieren. Auch der Freistaat Bayern hat deshalb diesen Wert als Messlatte für Streckenreaktivierungen übernommen.

 Erhebung mit methodischen Schwächen im Umlauf

Dass die von Go-Vit Mitte Juli veröffentlichten Fahrgastzahlen deutlich höher ausfielen als die Zählungen der BEG, führt diese auf methodische Mängel bei der Erhebung von Go-Vit zurück. So beruhen die Daten von Go-Vit auf Zählungen an lediglich einem einzigen Tag. Die teils erheblichen Unterschiede zwischen Wochentagen erfasst Go-Vit beispielsweise überhaupt nicht.

 Die BEG misst das Fahrgastaufkommen auf der Strecke Gotteszell – Viechtach dagegen wesentlich häufiger und differenzierter: an Wochentagen mit Schulunterricht  insgesamt sechsmal pro Quartal und Zug (zweimal montags, zweimal dienstags bis donnerstags, zweimal freitags), darüber hinaus an schulfreien Wochentagen, an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen jeweils viermal pro Quartal und Zug. Die BEG geht bei Fahrgastzählungen nach einer wissenschaftlich fundierten Methodik vor, die seit vielen Jahren erprobt ist und bayernweit einheitlich angewendet wird. Die Zahlen werden deshalb auch von den Entscheidungsträgern in Politik und Verwaltung anerkannt, die sich ein fundiertes Bild vom Potenzial einer Bahnstrecke machen wollen.

 Bewertung ist erst nach zwei Jahren sinnvoll

„Wir begrüßen die Arbeit von Vereinen wie Go-Vit, die sich um die Akzeptanz von Bahnstrecken in der Region bemühen, ausdrücklich“, betont  Niggl. „Es ist aus unserer Sicht aber nicht zuträglich, wenn in der öffentlichen Diskussion Zahlen im Umlauf sind, die mit methodischen Mängeln und unter schwer nachvollziehbaren Umständen erhoben wurden.“ Unabhängig davon rate er allen Beteiligten zu etwas mehr Geduld. Gerade am Anfang schwanke die Nachfrage oft stark. „Unsere Erfahrung zeigt außerdem, dass es einige Zeit braucht, bis das neue Angebot angenommen wird. Eine Bewertung ist daher erst gegen Ende des zweijährigen Probebetriebs sinnvoll“, ergänzt Niggl.

Beitrag vom: