Wer macht was im Bahnland Bayern?

Damit die Züge in Bayern rollen, müssen viele Or­ga­ni­sa­tio­nen zu­sam­men­ar­bei­ten. Die BEG ist nur eine davon. Wer ist für was zuständig?

Die drei Säulen des Per­so­nen­ver­kehrs auf der Schiene

Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehr, Fern­ver­kehr sowie U- und Tram-Bahnen sind komplett von­ein­an­der getrennte Systeme. Die BEG ist allein für den Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehr zuständig.

ICE, IC/EC, vor allem von DB und aus­län­di­schen Staats­bah­nen

Re­gio­nal­ver­kehr und Fern­ver­kehr sind komplett ver­schie­de­ne Welten auf denselben Gleisen: Im Un­ter­schied zum Re­gio­nal­ver­kehr wird der Fern­ver­kehr nicht staatlich be­zu­schusst, sondern fi­nan­ziert sich ei­gen­wirt­schaft­lich aus dem Fahr­kar­ten­ver­kauf. Derzeit betreibt mit wenigen Ausnahmen die Deutsche Bahn die Strecken im Fern­ver­kehr. Das Un­ter­neh­men trägt das volle un­ter­neh­me­ri­sche Risiko, besitzt aber auch sämtliche Ge­stal­tungs­frei­hei­ten: Welche Städte die DB im Fern­ver­kehr in welchem Takt anfährt und welchen Fahrpreis sie dafür verlangt, ent­schei­det sie selbst. Die BEG hat darauf keinen Einfluss, stimmt sich aber mit der DB Fern­ver­kehr ab, um den Regional- und den Fern­ver­kehr so gut wie möglich mit­ein­an­der zu verzahnen.

Re­gio­nal­zü­ge und S-Bahnen

Die BEG ist aus­schließ­lich für den Regional- und S-Bahn-Verkehr zuständig und fasst dieses Ver­kehrs­an­ge­bot unter dem Begriff „Bahnland Bayern“ zusammen. Innerhalb des Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehrs gibt es wiederum sechs Or­ga­ni­sa­tio­nen, die un­ter­schied­li­che Aufgaben über­neh­men.

U-Bahnen, Tram­bah­nen, Busse

Für den all­ge­mei­nen ÖPNV – Busse, Tram­bah­nen, U-Bahnen – sind die Land­krei­se und kreis­frei­en Städte zuständig, die sowohl kommunale als auch private Ver­kehrs­un­ter­neh­men be­auf­tra­gen. Ähnlich wie im SPNV werden diese Ver­kehrs­mit­tel öf­fent­lich be­zu­schusst. Neben eigenen Mitteln erhalten die Land­krei­se und kreis­frei­en Städte dafür ebenfalls fi­nan­zi­el­le Mittel vom Freistaat. Die BEG steht in re­gel­mä­ßi­gem Austausch mit den Trägern und Un­ter­neh­men des ÖPNV. Bei­spiels­wei­se versucht die BEG, Par­al­lel­ver­kehr zwischen SPNV und Bussen zu vermeiden und statt­des­sen Bus- und Bahn­ver­kehr gut auf­ein­an­der ab­zu­stim­men.

Zu­stän­dig­kei­ten im Bahnland Bayern

Eine Fahrt, sechs Or­ga­ni­sa­tio­nen

Eine Bei­spiel­fahrt von Nürnberg nach Friedberg zeigt, wer welche Aufgaben im Bahnland Bayern übernimmt.

Marianne Huber steigt in Nürnberg in einen Re­gio­nal­zug, um zu ihrem Sohn zu fahren, der in Friedberg bei Augsburg lebt. Zunächst geht es von Nürnberg Haupt­bahn­hof mit einem Re­gio­nal­ex­press der DB Regio Richtung In­gol­stadt. Dort hat Marianne Huber 16 Minuten Um­stei­ge­zeit und fährt mit der Baye­ri­schen Regiobahn (BRB) weiter nach Friedberg. Mit dem Bayern-Ticket zahlt sie 25 Euro hin und zurück und braucht 1¾ Stunden für die rund 160 Kilometer lange Strecke. Das sind die Fakten, die Marianne Huber als Fahrgast in­ter­es­sie­ren. Was sie nicht weiß, ist, welches komplexe System im Hin­ter­grund dafür sorgt, dass sie von Nürnberg nach Friedberg kommt. Sechs un­ter­schied­li­che Or­ga­ni­sa­tio­nen sind daran beteiligt.

Seit 1996 liegt der öf­fent­lich be­zu­schuss­te Regional- und S-Bahn-Verkehr nicht mehr beim Bund, sondern in der Ver­ant­wor­tung der Länder. Die hierfür be­nö­tig­ten Gelder stellt al­ler­dings weiterhin der Bund zur Verfügung. Diese so­ge­nann­ten Re­gio­na­li­sie­rungs­mit­tel leitet der Bund zur Fi­nan­zie­rung des Schie­nen­per­so­nen­nah­ver­kehrs an die Länder weiter. Einfluss auf die Ge­stal­tung des SPNV hat der Bund nicht. Al­ler­dings hat er in diesem Zu­sam­men­hang eine sehr wichtige Rolle: Er ist für den Ausbau und Erhalt des Schie­nen­net­zes ver­ant­wort­lich.

Dass der Freistaat die Ver­ant­wor­tung für den SPNV in Bayern trägt, das kann Marianne Huber der hin­ter­leuch­te­ten Groß­flä­che im Nürn­ber­ger Haupt­bahn­hof oder der Pla­kat­wer­bung der BEG am Bahnsteig entnehmen: „Der Freistaat macht's möglich.“ Im Zuge der Bahn­re­form hat die baye­ri­sche Staats­re­gie­rung be­schlos­sen, eine eigene Ge­sell­schaft zu gründen, die im Auftrag und nach den Vorgaben des Frei­staats den kom­plet­ten SPNV in Bayern plant, fi­nan­ziert und kon­trol­liert: die BEG. Sie erhält vom Freistaat Re­gio­na­li­sie­rungs­mit­tel, die sie in Form von so­ge­nann­ten Be­stel­le­rent­gel­ten an die Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men wei­ter­lei­tet. Mit diesem Be­stel­le­rent­gelt und den Fahr­geld­ein­nah­men fi­nan­zie­ren die Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men das SPNV-Angebot.

Die Or­ga­ni­sa­ti­on, bei der alle Fäden des SPNV in Bayern zu­sam­men­lau­fen, bleibt für Marianne Huber un­sicht­bar. Nur das Bahnland-Bayern-Logo auf den beiden Zügen deutet indirekt auf die BEG hin. Die BEG sorgt dafür, dass aus dem Zu­sam­men­spiel aller be­tei­lig­ten Akteure ein at­trak­ti­ves Angebot für die Fahrgäste entsteht, das zugleich auch noch fi­nan­zier­bar ist. Sie bestimmt unter anderem den Fahrplan, die Um­stei­ge­mög­lich­kei­ten und die Min­dest­ka­pa­zi­tä­ten auf den einzelnen Strecken – abhängig vom Fahr­gast­auf­kom­men und den zur Verfügung stehenden Fi­nanz­mit­teln. Sie wählt die Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men im Rahmen von Aus­schrei­bun­gen aus und kon­trol­liert, ob sie die vor­ge­ge­be­nen Qua­li­täts­kri­te­ri­en einhalten.

Marianne Huber fährt mit den beiden Zügen auf rund 160 Kilometer Schienen und hält an elf Bahnhöfen. Diese In­fra­struk­tur gehört den beiden Bun­des­un­ter­neh­men DB Netz und DB Station&Service. Sie sind ver­ant­wort­lich dafür, dass die Bahnhöfe sauber sind, die Schienen und Si­gnal­an­la­gen gewartet werden, die Stell­wer­ke besetzt sind und die Züge sicher über die Schie­nen­we­ge geleitet werden – egal, ob es sich um Regional-, Fern­ver­kehrs- oder Güterzüge handelt. Um diese Aufgaben zu fi­nan­zie­ren, erheben beide Un­ter­neh­men für jeden Kilometer genutzter Schiene bzw. jeden an­ge­fah­re­nen Bahnhof Gebühren, ver­gleich­bar einer Stra­ßen­maut. Diese In­fra­struk­tur­ge­büh­ren sind in den letzten 20 Jahren kräftig gestiegen. Sie zehren mitt­ler­wei­le knapp 70 Prozent des Be­stel­le­rent­gelts auf, das die BEG an die Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men zahlt.

Den ei­gent­li­chen Transport von Marianne Huber über­neh­men die beiden Ver­kehrs­un­ter­neh­men DB Regio und Baye­ri­sche Regiobahn (BRB). Dass sie auf ihrer Fahrt von einem EVU zum nächsten wechselt, merkt Marianne Huber höchstens an den un­ter­schied­li­chen Farben und Namen der Züge. Abgesehen davon hat sie das Gefühl, innerhalb eines Systems zu fahren:

Die Ab­fahrts­zei­ten sind auf­ein­an­der ab­ge­stimmt, ein und dieselbe Fahrkarte gilt in den Zügen beider Un­ter­neh­men. Dafür sorgt die BEG, die DB Regio und BRB mit dem Betrieb der Strecken be­auf­tragt hat – mit Vorgaben zum Fahrplan, zur Kapazität der Züge, zur Qualität etc. Im Rahmen dieser Vorgaben haben die EVU Ge­stal­tungs­frei­heit, zum Beispiel, welche Züge welcher Her­stel­ler sie einsetzen.

Marianne Huber zahlt 23 Euro für ihre Fahrt nach Friedberg und zurück. Diese Summe fließt nach einem be­stimm­ten Schlüssel an die Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men, die damit aber nicht ihre Kosten decken können. Im Schnitt fi­nan­zie­ren sich die Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men zu rund 50 Prozent aus den Fahr­gel­der­lö­sen. Für den Rest kommt das Be­stel­le­rent­gelt der BEG auf. Ohne diese staat­li­chen Zuschüsse müsste Marianne Huber etwa das Doppelte für die Fahrkarte bezahlen.