Strafe muss sein

Die Pünkt­lich­keit ist für die Fahrgäste eines der wich­tigs­ten Qua­li­täts­merk­ma­le im Regional- und S-Bahn-Verkehr. Deshalb bestraft die BEG besonders un­pünkt­li­che Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men.

Jedes Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men muss in jedem Wett­be­werbs­netz sowohl monatlich als auch jährlich einen ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Pro­zent­satz pünkt­li­cher Zu­gan­künf­te vorweisen. Diesen Monats- und Jah­res­schwel­len­wert definiert die BEG bereits in den je­wei­li­gen Aus­schrei­bun­gen. Falls die Ver­kehrs­un­ter­neh­men die vor­ge­ge­be­nen Pünkt­lich­keits­wer­te nicht erreichen, werden Ver­trags­stra­fen fällig – so­ge­nann­te Pünkt­lich­keitspö­na­len. Fallen Züge komplett aus, zahlt die BEG den Be­trei­bern grund­sätz­lich kein Be­stel­le­rent­gelt, das im Schnitt rund 50 Prozent der Einnahmen der Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men ausmacht.

Die Pünkt­lich­keits­wer­te der einzelnen Wett­be­werbs­net­ze sind im Un­ter­schied zum Qua­li­täts­mess­sys­tem nur bedingt mit­ein­an­der ver­gleich­bar. Die Rah­men­be­din­gun­gen der Netze für die Pünkt­lich­keit der Züge sind teils sehr un­ter­schied­lich. Dazu gehören unter anderem die Ein- bzw. Zwei­glei­sig­keit der In­fra­struk­tur, die Stre­cken­aus­las­tung sowie Ein­schrän­kun­gen durch Bau­ar­bei­ten oder Lang­sam­fahr­stel­len.

Ab wann ist ein Zug un­pünkt­lich?

Die Erhebung von Pünkt­lich­keitspö­na­len findet bislang ab einer Ver­spä­tung von sechs Minuten statt. Bei neuen Aus­schrei­bun­gen geht die BEG zu einem nied­ri­ge­ren Schwel­len­wert über: Maß­geb­lich für die Wertung sind dann Ver­spä­tun­gen ab drei Minuten. Das schafft Anreize für die Ver­kehrs­un­ter­neh­men, auch Ver­spä­tun­gen im geringen Mi­nu­ten­be­reich abzubauen. Außerdem be­rück­sich­tigt die BEG bei neuen Verträgen die Länge der Ver­spä­tung. Bei­spiels­wei­se werden dann 15 Minuten Ver­spä­tung stärker bestraft als sechs Minuten. Ver­spä­tun­gen, die aufgrund von War­te­zei­ten auf An­schluss­zü­ge entstehen, werden bei der Be­rech­nung der Pönale nicht be­rück­sich­tigt. Damit besteht kein Konflikt mehr zwischen pünkt­li­cher Abfahrt und der Sicherung von An­schlüs­sen.

Knapp die Hälfte der primären Ver­spä­tungs­mi­nu­ten im baye­ri­schen SPNV wurde im Jahr 2017 durch die Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men selbst ver­ur­sacht. Das sind in erster Linie Probleme bei der ver­kehr­li­chen Durch­füh­rung (Zug­vor­be­rei­tung, Personal etc.), aber auch die fahr­zeug­be­ding­ten Ursachen haben mit über 18 Prozent einen be­deu­ten­den Anteil. Eine wichtige Rolle spielen auch die in­fra­struk­tur­be­ding­ten Ursachen: Etwa 19 Prozent der Ver­spä­tungs­mi­nu­ten lassen sich auf Störungen von In­fra­struk­tur­ein­rich­tun­gen zu­rück­füh­ren. Der Anteil der Bau­ar­bei­ten liegt bei über zwölf Prozent. Somit wurden im Jahr 2017 knapp ein Drittel aller primären Ver­spä­tungs­mi­nu­ten durch in­fra­struk­tu­rel­le Gründe ver­ur­sacht. Weitere 15 Prozent der Pri­mär­ver­spä­tun­gen in Bayern entfallen auf externe Ursachen (Personen im Gleis, be­hörd­li­che An­ord­nun­gen, Witterung etc.).

Der Anteil der aus­ge­fal­le­nen Zug­ki­lo­me­ter an den be­stell­ten Gesamt-Zug­ki­lo­me­tern im baye­ri­schen SPNV lag im Jahr 2017 bei 1,9 Prozent. Er hat sich gegenüber dem Vorjahr (2,9 Prozent) deutlich reduziert. Ein Blick auf die Aus­fall­ur­sa­chen zeigt, dass die In­fra­struk­tur die größten Probleme bereitet: Allein der Anteil der aus­ge­fal­le­nen Zug­ki­lo­me­ter aufgrund von Bau­ar­bei­ten liegt bei rund 67 Prozent. Dazu kommen weitere 6,9 Prozent durch Störungen an der In­fra­struk­tur. Der Anteil der Aus­fall­ki­lo­me­ter, die von den Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men zu ver­ant­wor­ten­den sind, ist ver­gleichs­wei­se gering: Er be­schränkt sich nahezu aus­schließ­lich auf die 11,5 Prozent, die infolge von Fahr­zeug­stö­run­gen auf­ge­tre­ten sind.