Verbindungsauskunft

Jahres­pünkt­lichkeit 2017

Jahres­pünkt­lichkeit 2017 für bayerische Regional- und S-Bahnen nahezu auf Vorjah­res­niveau


Der Durchschnittswert für die Pünktlichkeit der bayerischen Regional- und S-Bahnen war 2017 leicht rückläufig. Das belegen die Ergebnisse der Pünktlichkeitsmessungen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Im bayernweiten Durchschnitt lag der Wert für das vergangene Jahr bei 93 Prozent. Damit ist der Wert zwar um 0,3 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr gesunken (2016: 93,3 Prozent), er lag aber 0,7 Prozentpunkte über dem Ergebnis von 2015 (92,3 Prozent). Als pünktlich gewertet werden Züge, die weniger als sechs Minuten Verspätung haben.


„Wenn man das anhaltend hohe Bauvolumen berücksichtigt, ist die Pünktlichkeit im bayerischen Regional- und S-Bahn-Verkehr zwar im Großen und Ganzen stabil. Die Entwicklung ist für uns aber keineswegs zufriedenstellend“, sagt Thomas Prechtl, Geschäftsführer der BEG. „Die BEG setzt sich deshalb mit Nachdruck bei den beauftragten Verkehrsunternehmen sowie beim Infrastrukturbetreiber DB Netz AG dafür ein, dass pünktlichkeitssteigernde Maßnahmen ergriffen und konsequent umgesetzt werden.“


Vielfältige Verspätungsursachen


Grundsätzlich liegt die Betriebsführung – und somit auch die Pünktlichkeit – zwar im Verantwortungsbereich der jeweiligen Verkehrsunternehmen. Die Pünktlichkeit wird jedoch häufig auch von externen Faktoren erheblich beeinflusst. Dazu gehören beispielsweise die Ein- oder Zweigleisigkeit der Infrastruktur, die Streckenauslastung oder infrastrukturelle Einschränkungen wie zum Beispiel Bauarbeiten, Störungen der Leit- und Sicherheitstechnik oder Langsamfahrstellen.


Der leichte Rückgang der bayernweiten Pünktlichkeit ist auf verschiedene Einzelursachen in den jeweils betroffenen Netzen zurückzuführen. Beispiele dafür sind erhebliche Probleme beim Betriebsstart des Alex-Nord im Dezember 2017 mit einhergehenden Auswirkungen auf die Oberpfalzbahn, Fahrzeugstörungen bei der Bayerischen Oberlandbahn zu Jahresbeginn 2017 oder singuläre Großstörungen auf der S-Bahn-Stammstrecke in München sowie eine kontinuierliche Zunahme an Infrastrukturstörungen bei der S-Bahn München in der zweiten Jahreshälfte 2017.


Darüber hinaus gibt es auch einige netzübergreifende Faktoren, die bayernweit zu einem Rückgang der Pünktlichkeit beigetragen haben. So setzten die nach wie vor zahlreichen Baumaßnahmen an der Schieneninfrastruktur schwierige Rahmenbedingungen. Zudem löste die leicht rückläufige Pünktlichkeit im Fernverkehr zusätzliche Zugfolgeverspätungen im bayerischen Schienenpersonennahverkehr aus. Des Weiteren war auch eine Zunahme an Fremdeinwirkungen oder behördlichen Anordnungen festzustellen – hierzu zählen beispielsweise „Personen im Gleis“ oder Polizeieinsätze.


Messen und sanktionieren von Verspätungen


Grundlage für die Erhebung der Werte ist das Pünktlichkeitsmesssystem der BEG. Die Messungen erfolgen an rund 120 Messstellen an bayerischen Knotenbahnhöfen. Damit lässt sich nahezu in Echtzeit feststellen, wie pünktlich die Züge im bayerischen Regional- und S-Bahn-Verkehr sind. Die BEG bittet unpünktliche Eisenbahnverkehrsunternehmen zur Kasse: Erreichen sie die von der BEG vorgeschriebene Mindestpünktlichkeit nicht, fallen Strafzahlungen – sogenannte Pönalen – an.


Die BEG ergreift darüber hinaus kontinuierlich weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Pünktlichkeit. So geht sie in regelmäßigen Gesprächen mit den Verkehrsunternehmen den Verspätungsursachen auf den Grund, überprüft die Wirksamkeit von getroffenen Gegenmaßnahmen und fordert bei Bedarf weitere Verbesserungen ein. Die BEG beteiligt sich zudem aus einbehaltenen Pünktlichkeitspönalen auch finanziell an geeigneten Projekten zur Steigerung der Pünktlichkeit. So finanziert sie beispielsweise bei mehreren Eisenbahnverkehrsunternehmen den Einsatz von Pünktlichkeitsmanagern oder Baustellenkoordinatoren mit.


Weniger Zugausfälle


Neben der Pünktlichkeit erfasst die BEG auch die Ausfallquote. Bei einem bestellten Gesamtvolumen von rund 124 Millionen Zugkilometern sind im Jahr 2017 bayernweit insgesamt rund 2,23 Millionen Zugkilometer ausgefallen; das entspricht 1,8 Prozent der bestellten Zugleistungen. Gegenüber dem Vorjahr liegt die Quote damit um 1,1 Prozentpunkte niedriger (2016: 2,9 Prozent). Vom Gesamtvolumen sind 689.359 Zugkilometer (0,6 Prozent des Gesamtvolumens) ersatzlos ausgefallen; bei 1.542.801 Zugkilometern (1,2 Prozent des Gesamtvolumens) wurde ein Ersatzverkehr angeboten.


Ein wesentlicher Grund für die positive Entwicklung: 2017 gab es weniger Baustellen mit mehrmonatigen Totalsperrungen. 2016 hatten beispielsweise langfristige Totalsperrungen im Rahmen der Großbaustelle VDE 8.1 (Ausbaustrecke Nürnberg – Ebensfeld) oder auch im Zuge der Sanierungsarbeiten am Tunnel Oberstaufen auf der Strecke München – Kempten – Lindau für erhebliche Zugausfälle gesorgt.


Dennoch waren auch im Jahr 2017 mehr als 60 Prozent der Zugausfälle in Bayern auf infrastrukturelle Ursachen zurückzuführen. In erster Linie sind hier die generell nach wie vor regen Bautätigkeiten zu nennen. Dazu zählten beispielsweise die weiteren Bauarbeiten auf der Großbaustelle VDE 8.1 mit Auswirkungen auf die Verkehrsleistungen in Ober- und Mittelfranken sowie die Baumaßnahmen im E-Netz Rosenheim (Meridian).


Die von der BEG beauftragten Verkehrsunternehmen sind verpflichtet, ausgefallene Verkehrsleistungen durch einen adäquaten Schienenersatzverkehr beziehungsweise Busnotverkehr zu ersetzen, sofern das reguläre Verkehrsangebot nicht innerhalb eines definierten Zeitraums wieder aufgenommen werden kann. Für ausgefallene Zugkilometer zahlt die BEG den Verkehrsunternehmen kein Bestellerentgelt, für Schienenersatzverkehre erhalten die Unternehmen lediglich einen stark reduzierten finanziellen Ausgleich.


Ausführliche Informationen zur Entwicklung der Pünktlichkeit und der Ausfallquote im Bahnland Bayern wird die Qualitätsdokumentation liefern, die die BEG in der zweiten Jahreshälfte 2017 veröffentlichen wird.

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