Verbindungsauskunft

Bayerische Regional- und S-Bahnen fahren 2016 pünkt­licher

Neben sauberen Zügen, hilfreichen Fahrgastinformationen und einer hohen Serviceorientierung im Zug ist die Pünktlichkeit eines der Hauptkriterien für die Zufriedenheit der Fahrgäste mit dem von ihnen genutzten Verkehrsangebot auf Bayerns Schienen. Wie pünktlich waren die bayerischen Regional- und S-Bahnen 2016? Welche Ergebnisse die Pünktlichkeitsmessungen der BEG im Detail gebracht haben, wird die Qualitätsdokumentation 2016 belegen, die die BEG voraussichtlich bis Mitte dieses Jahres veröffentlicht. Wir geben hier schon einen ersten Überblick.

Positive Entwicklung

Die Rahmen­be­din­gungen für den bayeri­schen SPNV waren 2016 weiterhin schwierig, unter anderem aufgrund des anhaltend hohen, infra­struk­turell bedingten Bauvo­lumens. Dennoch hat sich der Durch­schnittswert für die Pünkt­lichkeit der bayeri­schen Regional- und S-Bahnen im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr um einen Prozent­punkt auf 93,3 Prozent verbessert. Den besten Wert für 2016 erreichte die Bayerische Zugspitzbahn mit einer Pünkt­lich­keits­quote von 99,6 Prozent. Die Pünkt­lichkeit auf der kurzen, nur 7,5 Kilometer langen Strecke ist tradi­tionell sehr hoch, da hier keine anderen Verkehrs­un­ter­nehmen unterwegs sind und es nur sehr geringe äußere Einflüsse gibt. Mit stabilen, hohen Werten von über 95 Prozent konnten weitere zwölf Netze überzeugen – darunter der Kissinger Stern, die Kneipp-Lechfeld-Bahn und der Weißen­horner, die jeweils einen Pünkt­lich­keitswert von über 97 Prozent erreichten.

Die Pünkt­lich­keits­werte der einzelnen Netze lassen sich aller­dings nur bedingt mitein­ander vergleichen. Grund­sätzlich liegt die Betriebs­führung – und somit auch die Pünkt­lichkeit der Verkehrs­leis­tungen – im Verant­wor­tungs­be­reich der jewei­ligen Verkehrs­un­ter­nehmen. Die Pünkt­lichkeit wird jedoch auch von externen Faktoren beein­flusst, die sich je nach Strecke erheblich vonein­ander unter­scheiden können. Dazu gehören beispiels­weise die Einoder Zweiglei­sigkeit der Infra­struktur, die Strecken­aus­lastung oder infra­struk­tu­relle Einschrän­kungen wie zum Beispiel Bauar­beiten, Störungen der Leit- und Sicher­heits­technik, Sturm­war­nungen oder Langsam­fahr­stellen. Insbe­sondere fünf Netze hatten vor allem mit infra­struk­tu­rellen Beein­träch­ti­gungen, aber auch mit Fahrzeug­stö­rungen zu kämpfen und mussten in Folge Pünkt­lich­keits­werte von unter 90 Prozent hinnehmen: der Donau-Isar- Express, der München Nürnberg-Express, der Alex-Nord, der Main-Spessart-Express sowie Regio Oberbayern. In den Netzen Alex-Nord und Donau-Isar-Express wirkte sich zudem die grund­sätzlich hochbe­lastete Strecke zwischen München und Freising auf die Pünkt­lichkeit aus – eine Misch­be­triebs­strecke, die von mehreren Verkehrs­un­ter­nehmen befahren wird. Im Netz München-Nürnberg-Express haben die lang laufenden Fernver­kehrs­linien, die beispiels­weise aus Norddeutschland oder Berlin teilweise verspätet in Bayern eintreffen, die Pünkt­lichkeit zusätzlich beein­trächtigt, und beim Netz Main-Spessart-Express resul­tierten Zugfol­ge­ver­spä­tungen unter anderem aus einer überdurch­schnittlich hohen Strecken­aus­lastung.

Viele Faktoren führen zum Ziel

Dass sich die Pünkt­lichkeit in vielen Netzen verbessert hat, liegt vor allem an einer Vielzahl von, teilweise auch kleineren, Einzel­maß­nahmen. Aller­dings gibt es auch eine Reihe von übergrei­fenden Faktoren, die dazu beige­tragen haben, dass sich bayernweit im Durch­schnitt die Pünkt­lichkeit gegenüber dem Vorjahr erhöht hat:

  • Regelmäßige Interventionen der BEG bei der DB Netz AG, die für das Betreiben der Infrastruktur zuständig ist, haben dazu geführt, dass der dringend notwendige Vegetationsrückschnitt an den Gleisen im Jahr 2016 deutlich beschleunigt wurde. Dadurch konnte trotz Sturmwarnungen des Deutschen Wetterdienstes, bei denen auf betroffenen Streckenabschnitten eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 80 Stundenkilometern erlaubt ist, schneller gefahren werden. Die Anzahl der durch Sturmwarnungen bedingten Verspätungsminuten war somit rückläufig. 
  • Trotz umfangreicher Baumaßnahmen konnten deren Auswirkungen auf den bayerischen SPNV insgesamt minimiert werden. Beispielsweise hat der von der BEG initiierte und geleitete Arbeitskreis „Schienenersatzverkehr und Baustellenplanung“ dazu geführt, dass in enger Zusammenarbeit mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen die Planung und die Kommunikation von Baumaßnahmen und Schienenersatzverkehren verbessert werden konnten. 
  • Großbaumaßnahmen wie die Aus- und Neubaustrecke Nürnberg – Erfurt und die Sanierung und Erweiterung des Oberstaufener Tunnels wurden im Rahmen einer Totalsperrung durchgeführt; baubedingte Verspätungen blieben demnach aus. 
  • Die BEG hat sich an qualitätsverbessernden Maßnahmen bayerischer Verkehrsunternehmen beteiligt und zielgerichtet Gelder aus erhobenen Pünktlichkeitspönalen (siehe unten) reinvestiert. So kümmern sich in mehreren Verkehrsunternehmen Baustellenkoordinatoren um die Abstimmung von Baumaßnahmen mit der DB Netz AG sowie um das Monitoring der Baubetriebsplanung und -abwicklung. Außerdem haben die Verkehrsunternehmen vielfach zusätzliche Pünktlichkeitsmanager eingestellt, die die Verspätungsursachen in den einzelnen Netzen detailliert analysieren und einzelne Maßnahmen zur Verbesserung der Pünktlichkeit identifizieren. 
  • Die Pünktlichkeit des Fernverkehrs hat sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr deutschlandweit ebenfalls verbessert. Der SPNV in Bayern war demnach weniger von verspäteten Fernverkehrszügen und damit einhergehenden Zugfolgeverspätungen betroffen.
  • In den Winter­mo­naten herrschten weitgehend milde Witte­rungs­be­din­gungen. 

Messsystem mit Anreizwirkung

Grundlage für die Erhebung der Werte ist das Pünkt­lich­keits­mess­system, das von der BEG entwi­ckelt wurde und weitrei­chende Analysen möglich macht. Die Messungen erfolgen an rund 120 Messstellen an bayeri­schen Knoten­bahn­höfen. Damit lässt sich nahezu in Echtzeit feststellen, wie pünktlich die Züge im bayeri­schen Regional- und S-Bahn-Verkehr sind. Wie das Quali­täts­mess­system der BEG ist auch das Pünkt­lich­keits­mess­system mit einem monetären Anreiz­system verbunden. In den laufenden Verträgen wendet die BEG das Prozent­ver­fahren an: Dabei werden alle Zugan­künfte bis zu einer Verspätung von 05:59 Minuten als pünktlich gewertet. So wird beispiels­weise berück­sichtigt, dass Verspä­tungen teilweise durch externe Einflüsse verur­sacht werden, die die Verkehrs­un­ter­nehmen nicht beein­flussen können. Der Anteil der pünkt­lichen Messungen an der Gesamtzahl aller Messungen ergibt einen Prozentwert, für den in jedem Vertrag ein monatlich und jährlich zu errei­chender Schwel­lenwert festgelegt ist. Erreichen die Verkehrs­un­ter­nehmen die bereits in den Ausschrei­bungen vorge­ge­benen Pünkt­lich­keits­werte nicht, werden Vertrags­strafen fällig, sogenannte Pünkt­lich­keitspö­nalen. 

Um die Messung und Bewertung der Pünkt­lichkeit weiter­zu­ent­wi­ckeln, wird das bisher angewandte Prozent­ver­fahren sukzessive auf ein Minuten­ver­fahren umgestellt. Das Minuten­ver­fahren ist bereits Bestandteil des dreijäh­rigen Übergangs­ver­trages für das Dieselnetz Ulm, der im Dezember 2016 in Kraft getreten ist; es wird zudem in allen neuen Ausschrei­bungen der BEG berück­sichtigt. Bei dem Minuten­ver­fahren wird die Höhe der Verspätung je Zugan­kunft berück­sichtigt. Diese Gewichtung von Verspä­tungen entspricht besser der Sicht der Fahrgäste, denn eine Verspätung von 20 Minuten beein­trächtigt die Kunden­zu­frie­denheit stärker als eine Verspätung von fünf Minuten. Darüber hinaus besteht für das Verkehrs­un­ter­nehmen ein zusätz­licher Anreiz zur Verrin­gerung von Verspä­tungen, auch wenn diese nicht vollständig abbaubar sind. 

Künftig werden die Verspä­tungen zudem bereits ab der dritten statt ab der sechsten Minute bestraft (Pünkt­lich­keits­schwelle 02:59 Minuten). Damit werden auch geringere, für die Fahrgäste aber durchaus bereits relevante Verspä­tungen angemessen berück­sichtigt und sanktio­niert. Neu ist auch, dass der Anteil von Verspä­tungen aufgrund von Baustellen und von Warte­zeiten zur Anschluss­si­cherung aus den Straf­zah­lungen heraus­ge­rechnet wird. Damit wird der Zielkon­flikt zwischen Pünkt­lichkeit und Anschluss­si­cherung entschärft. 

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