Ausschreibung 2019
Franken-Südthüringen
Stand: Juli 2019

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) schreibt als federführender Aufgabenträger gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen den elektrischen Regionalzugverkehr im nördlichen Franken und in Teilen Südthüringens aus. Im Netz Franken-Südthüringen sind ab Ende 2023 insgesamt bis zu 5,7 Millionen Zugkilometer pro Jahr zu erbringen und damit allein im bayerischen Streckenteil rund 0,8 Millionen Zugkilometer pro Jahr mehr als bisher. Die BEG schafft damit die Voraussetzungen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Sie vergibt die Verkehrsleistungen auf den Linien Nürnberg – Sonneberg/Saalfeld und Bamberg – Würzburg zum zweiten Mal im Wettbewerb. Im letzten Vergabeverfahren setzte sich die DB Regio AG durch, die die Strecken seit 2011 betreibt.

Beim neuen Verkehrsvertrag werden bestehende Taktlücken geschlossen und das Taktangebot wird teilweise verdichtet. Dies gilt besonders für die nachfragestarke Strecke Nürnberg – Erlangen – Bamberg, wo die Fahrgastkilometer zwischen 2010 und 2018 um etwa die Hälfte gestiegen sind. Künftig bietet die BEG auf dieser Strecke ganztägig einen Halbstundentakt an. Die erst im Dezember 2017 eingeführte Regionalexpress-Linie Nürnberg – Bamberg – Coburg – Sonneberg über die Neubaustrecke Ebensfeld – Erfurt fährt künftig doppelt so häufig: Die Region Coburg wird dadurch im Stundentakt schnell mit Bamberg, Erlangen und Nürnberg verbunden.

Für das Netz Franken-Südthüringen fordert die BEG Neufahrzeuge. Mit Blick auf die Barrierefreiheit müssen die Fahrzeuge an allen Türen einen stufenfreien Einstieg ermöglichen. Mobilitätseingeschränkte Reisende müssen an Bahnsteigen mit einer Höhe von 38 cm bis 76 cm ohne Voranmeldung ein- und aussteigen können.

Der Vertrag ist als Nettovertrag angelegt; er beginnt im Dezember 2023 und hat eine Laufzeit von zwölf Jahren.

Wesentliche Inhalte im Überblick

Angebotsumfang

  • Etwa 5,7 Mio. Zugkilometer im Jahr, davon etwa 5,1 Mio. Zugkilometer im Jahr in Bayern und maximal etwa 0,6 Mio. Zugkilometer im Jahr in Thüringen – inkl. Eventualposition (EVP).

Liniennetz

  • Nürnberg – Bamberg – Würzburg, Bamberg – Coburg – Erfurt (via Schnellfahrstrecke), Bamberg – Lichtenfels – Saalfeld, Lichtenfels – Coburg – Sonneberg

Traktionsart

  • Elektrisch, fahrleitungsgebunden

Betreiber

  • Bis 12/2023: DB Regio AG

Künftiges Grundangebot

  • Stündliche Expresslinie Nürnberg – Bamberg – Lichtenfels – Saalfeld mit 2-stündlichem Flügelzug Bamberg – Würzburg
  • Stündliche Expresslinie Nürnberg – Bamberg – Coburg – Sonneberg (Einzellagen in Taktlücken des Fernverkehrs als Eventualposition bis/ab Erfurt)
  • Ergänzende Regionalbahnen Bamberg – Kronach und Lichtenfels – Sonneberg

Verbesserungen gegenüber heute

  • Täglicher Halbstundentakt Nürnberg – Bamberg
  • Täglicher Stundentakt Bamberg – Coburg über die Schnellfahrstrecke
  • Schließen von Taktlücken insbesondere am Abend
  • Sofern die angefragten Leistungen aus der Eventualposition zum Tragen kommen: Sicherung der Anbindung der Region Coburg an den Knoten Erfurt für den Fall, dass der Fernverkehr die ICE-Verbindungen über Coburg nicht zu einem 2-Stunden-Takt ergänzt

Zum Wettbewerbsprojekt gehören folgende Strecken:

  • Nürnberg – Erlangen – Bamberg – Lichtenfels – Coburg
  • Lichtenfels – Kronach – Saalfeld
  • Bamberg – Schweinfurt – Würzburg
  • Bamberg – Coburg – Sonneberg (via VDE 8)
  • Coburg – Erfurt als Eventualposition (via VDE 8)

Fahrplandetails und Angebotsverbesserungen:

  • Von Nürnberg fahren künftig halbstündlich Züge in Richtung Oberfranken. Ausgehend von diesem Anschlussknoten zur halben Stunde verkehrt ein stündlicher Regional-Express (RE) nach Saalfeld. Diese Linie führt jede zweite Stunde bis Bamberg einen Zugteil mit, der von dort dann über Schweinfurt nach Würzburg abzweigt. Nördlich von Kronach hält der Regional-Express Richtung Saalfeld stündlich an allen Stationen.
  • Um 30 Minuten versetzt dazu fährt die RE-Linie Nürnberg – Coburg – Sonneberg über die Neubaustrecke zwischen Bamberg und Coburg. Damit finden Reisende erstmals während der ganzen Tagesverkehrszeit und auch am Wochenende halbstündliche Expresszüge über Fürth, Erlangen, Forchheim und Hirschaid bis nach Bamberg vor. Von dort biegt die zweite Linie auf die Neubaustrecke VDE 8 ab und reduziert die Fahrzeit zwischen Nürnberg und Coburg stündlich auf nur noch rund 70 Minuten.
  • Die BEG lässt sich im Rahmen einer Eventualpostition (EVP) zusätzliche Leistungen anbieten, sofern diese zum Tragen kommt, fahren bis zu 5 Zugpaare umsteigefrei von Nürnberg Richtung Erfurt, wo u.a. schnelle Anschlüsse an die ICE-Sprinter nach Halle – Berlin und an die sog. Mitte-Deutschland-Verbindung Richtung Göttingen erreicht werden sollen. Stündliche Verbindungen von Coburg nach Sonneberg entstehen in diesen Fällen durch die Verlängerung der von Lichtenfels kommenden Züge.
  • Jeweils zur halben Stunde sind die Expressverkehre in Coburg untereinander sowie mit den tagsüber angebotenen ICE-Zügen verknüpft, so dass auch beispielsweise Lichtenfels oder Sonneberg durch schnelle Umsteigemöglichkeiten von den kurzen Reisezeiten der Neubaustrecke profitieren.
  • Zur Bedienung aller Halte zwischen Bamberg und Kronach fordert die BEG ergänzend eine stündliche Regionalbahn, die Fahrgästen attraktive Anschlüsse, z.B. in Bamberg an den IC Richtung Karlsruhe und an die RE-Linien nach Nürnberg und Würzburg, in Lichtenfels Richtung Coburg und Richtung Bayreuth sowie in Kronach Richtung Saalfeld bietet.
  • Mit diesem innovativen Gesamtangebot gewinnt ein großer Teil Nordbayerns ein attraktives innerregionales wie auch überregional optimal vernetztes Nahverkehrssystem mit sehr schnellen Reisezeiten. Einige Beispiele für das neue Fahrplankonzept inklusive der Eventualposition (EVP):
    - Nürnberg – Coburg 67 min stündlich statt derzeit zweistündlich
    - Nürnberg – Sonneberg 104 min stündlich statt derzeit zweistündlich
    - Bamberg – Coburg 25 min stündlich statt derzeit zweistündlich
    - Coburg – Erfurt 32 min fünfmal täglich mit RE durch EVP

Fahrzeuge

  • Für das Netz Franken-Südthüringen werden Neufahrzeuge gefordert, wobei eine sogenannte Kapitaldienstgarantie des Freistaats Bayern die Finanzierung erleichtert. Es sind zwei verschiedene Fahrzeugtypen zugelassen: Für die Verkehre aus Nürnberg über die Neubaustrecke VDE 8 sind 190 km/h Mindestgeschwindigkeit, ETCS-Ausrüstung, Druckertüchtigung und Auslegung für mindestens 600 Sitzplätze in der 2. Klasse notwendig. Für die übrigen Linien sind Fahrzeuge mit 160 km/h Mindestgeschwindigkeit und rund 360 Sitzplätzen in der 2. Klasse gefordert, wobei diese Züge im Abschnitt Nürnberg – Bamberg zur Sicherung hoher Kapazitäten grundsätzlich als Doppeleinheit verkehren. Möglichst jeder, mindestens jedoch jeder zweite Einstiegsbereich muss über mindestens einen Mehrzweckbereich verfügen.

Fahrradmitnahme

  • Große Mehrzweckbereiche

Barrierefreiheit

  • Besonderen Wert legt die BEG auf die Barrierefreiheit. Die Fahrzeuge müssen den neuesten Standards der Barrierefreiheit entsprechen. Sie müssen zudem einen barrierefreien Einstieg an Bahnsteigen mit einer Höhe von 76 Zentimetern über der Schienenoberkante ermöglichen. Bei den Zügen, die auf der Schnellfahrstrecke eingesetzt werden, ist auch eine auf die Bahnsteighöhe von 55 Zentimetern optimierte Einstiegshöhe zulässig. Auch an Bahnsteigen mit abweichender Bahnsteighöhe (30 bis 76 Zentimeter) müssen mobilitätseingeschränkte Reisende ohne Voranmeldung ein- und aussteigen können. Dazu muss der künftige Betreiber jeden Zugteil, der von benachbarten Zugteilen während der Fahrt nicht erreichbar ist, mit einer rollstuhlgerechten Einstiegshilfe ausstatten. Zudem verlangt die BEG eine rollstuhlgerechte Toilette und mindestens zwei Rollstuhlplätze je Zugteil.

Qualität

  • Hohe Anforderungen an Pünktlichkeit, Anschlusssicherung, Störfallmanagement, Sitzplatzkapazitäten, Information, Sauberkeit, Serviceorientierung
  • Einsatz umfangreicher Qualitätsmesssysteme zur Kontrolle
  • Vertragsstrafen („Pönalen“) bei Nichteinhaltung der Vorgaben

Kapazitäten

  • Mindestvorgaben für Sitzplätze für alle Züge unter besonderer Berücksichtigung des Berufs- und Schülerverkehrs sowie des Freizeitverkehrs an Wochenenden

Personalkonzept

  • Aufgrund des branchenweiten Fachkräftemangels, insbesondere bei Triebfahrzeugführern, gibt die BEG ein weiterentwickeltes Personalkonzept vor. So fordert sie eine sogenannte „Sitzbereitschaft“ für Reserve-Triebfahrzeugführer, um Zugausfälle aufgrund z.B. kurzfristiger Krankmeldungen minimieren zu können. Außerdem ist von dem anbietenden Verkehrsunternehmen mit dem Angebot ein Plan zur Personalbereitstellung und -akquisition vorzulegen, der jährlich zu aktualisieren ist und der dokumentiert, dass zum Betriebsstart wie auch während der Vertragslaufzeit ein ausreichender Personalbestand sichergestellt wird. Die BEG gibt zudem eine Min­dest­aus­bil­dungs­quo­te für Triebfahrzeugführer vor.

Zugbegleiter

  • Mindestquote: 200 Prozent für Züge (und Zugkilometer) auf dem Abschnitt Nürnberg - Bamberg, die in Bamberg geflügelt werden; für alle übrigen Züge und Zugkilometer 100 Prozent
  • Detaillierte Vorgaben zu Qualifikation und Ausbildung

Sicherheitspersonal

  • Einsatz von speziell ausgebildetem Sicherheitspersonal mit 1.800 Personeneinsatzstunden pro Jahr

Fahrgastinformation

  • Ansage und Anzeige von Informationen im Fahrzeug auf Basis von Echtzeitdaten
  • Lieferung von Soll- und Echtzeitdaten an den bayernweiten Datenpool für Auskunftssysteme (DEFAS BAYERN)

Vertrieb

  • An jeder Station ist der Fahrscheinverkauf über einen Automaten möglich. Zusätzlich besteht die BEG auf Reisezentren in Bamberg, Coburg und Lichtenfels sowie eine Agentur in Kronach. In Neustadt (b. Coburg) ist eine videounterstützte Verkaufsstelle zulässig. Außerdem stehen dem Fahrgast Reisezentren in Erlangen, Forchheim, Fürth, Nürnberg, Schweinfurt und Würzburg sowie je eine Agentur in Hassfurt und Hirschaid zur Verfügung. Diese personenbedienten Verkaufsstellen werden über andere Netze bereitgestellt.
  • Des Weiteren fordert die BEG den Vertrieb von Fahrscheinen über Abonnements, elektronische Medien und Telefon.
  • Für Abweichungen von den geforderten Mindestöffnungszeiten der personenbedienten Verkaufsstellen und Störungen an Fahrkartenautomaten werden, sofern diese einen festgelegten Toleranzwert überschreiten, Strafzahlungen erhoben.

Tarif

  • Der Fahrgast muss ohne besonderen Aufwand jederzeit einen Fahrschein kaufen können und an jeder Station umfassende Informationen darüber erhalten, wo Fahrscheine zu erwerben sind. Dazu zählen sowohl Verbundfahrscheine des VGN als auch Fahrscheine für Regionalzüge für Fahrten über das Verbundgebiet hinaus. Der zusätzliche Verkauf von Fernverkehrsfahrscheinen ist erwünscht. DB-Tarife und Sonderangebote, wie z. B. das Bayern-Ticket und der Bayern-Hopper, müssen anerkannt und verkauft werden.

Der Zuschlag soll voraussichtlich im März 2020 erteilt werden. Die Betriebsaufnahme ist für Dezember 2023 geplant. Der Vertrag endet voraussichtlich im Dezember 2035 nach einer Laufzeit von zwölf Jahren.

Kosten- und Erlösverteilung

  • Prinzip der unternehmerischen Verantwortung:
    Die BEG schließt einen Nettovertrag, d. h., das Verkehrsunternehmen erhält einen garantierten Zuschuss der BEG (Bestellerentgelt) und trägt im Übrigen die Erlösverantwortung selbst (Anreiz zur Kundenorientierung und Fahrgeldsicherung).
  • Die BEG übernimmt Chancen und Risiken der Preisentwicklung bei den Energie- und Personalkosten (indexbasierte Anpassungen des Bestellerentgelts).

Infrastruktur

  • Die BEG hat keinen direkten Einfluss auf die Infrastruktur, trägt jedoch über das Bestellerentgelt die Nutzungsgebühren als sogenannte durchlaufende Posten. Das Verkehrsunternehmen (nicht die BEG) schließt die Nutzungsverträge mit den Infrastrukturunternehmen: DB Netz AG (Strecken) / DB Station&Service AG (Stationen)

Verfahrensart

  • Offenes Verfahren. Alle interessierten Eisenbahnverkehrsunternehmen können sich um die zu vergebende Verkehrsleistung bewerben.

Vergabestellen

  • Bayerische Eisenbahngesellschaft mbH, Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (TMIL)

Abstimmung der Planungen

  • Aufgabenträger für den allgemeinen ÖPNV (Landkreise, kreisfreie Städte) wurden gemäß dem Bayerischen ÖPNV-Gesetz beteiligt, u. a. im Rahmen jährlicher Regionalkonferenzen

Zeitplan der Ausschreibung

  • Vorinformation im EU-Amtsblatt: 09.06.2018
  • Angebotsabgabe: 07.01.2020
  • Zuschlag: vsl. März 2020

Vertragslaufzeit

  • Dezember 2023 bis Dezember 2035

Wertung der Angebote

  • Das wirtschaftlichste, nicht zwangsläufig das preisgünstigste Angebot erhält den Zuschlag, da auch Qualitätszusagen berücksichtigt werden, die über die Mindestanforderungen hinausgehen.

Betriebsaufnahmevorbereitungen

  • Bis zur Betriebsaufnahme muss das Verkehrsunternehmen regelmäßig die fristgerechte Umsetzung der Vorbereitungen nachweisen.