Ver­läss­li­che­re An­schlüs­se durch bessere Daten

Bei der Messung, wie viele An­schluss­zü­ge in Bayern erreicht werden, drohen den Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men bislang keine Strafen – anders als bei minderer Ser­vice­qua­li­tät, bei Un­pünkt­lich­keit und Zu­g­aus­fäl­len.

Das Mess­sys­tem An­schlus­s­er­rei­chung dient der BEG dazu, Schwach­stel­len zu iden­ti­fi­zie­ren und gemeinsam mit den Ver­kehrs­un­ter­neh­men Lösungen zu ent­wi­ckeln, zum Beispiel durch An­pas­sun­gen im Fahrplan oder durch ver­bes­ser­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge. Seit 2013 bündelt die BEG alle re­le­van­ten Zahlen zur An­schlus­s­er­rei­chung in Bayern in einer Datenbank. Alle Ver­kehrs­un­ter­neh­men und DB Netz können darauf zugreifen. Davor war es den Un­ter­neh­men nicht möglich, An­schluss­be­zie­hun­gen zu anderen Be­trei­bern zu ana­ly­sie­ren. Das Mess­sys­tem soll so zum Aus­gangs­punkt für Ver­bes­se­rungs­maß­nah­men werden und dient damit letztlich den Fahr­gäs­ten.

Im Jahr 2017 wurden 96,5 Prozent aller im System erfassten An­schlüs­se erreicht. Damit liegt die Quote der er­reich­ten An­schlüs­se in Bayern leicht unter dem Wert des Vorjahres (96,7 Prozent). Im Gegensatz zu den kleinen und mittleren Bahnhöfen, die in der Regel über­durch­schnitt­li­che An­schlus­s­er­rei­chungs­quo­ten aufweisen, liegen die Werte der großen Kno­ten­bahn­hö­fe in München, Nürnberg, Augsburg und Würzburg tra­di­tio­nell hinter der ge­samt­baye­ri­schen Quote zurück.

An­schlus­si­che­rung an den großen Kno­ten­bahn­hö­fen (2014 – 2017)

In den großen Kno­ten­bahn­hö­fen hat sich die An­schlus­s­er­rei­chung un­ter­schied­lich ent­wi­ckelt. Nur in Augsburg Hbf konnte die An­schluss­quo­te gegenüber dem Vorjahr ge­stei­gert werden. Dort – wie auch in Nürnberg Hbf – werden ver­gleichs­wei­se viele vor­ge­se­he­ne An­schlüs­se erreicht. In München Hbf sowie in Würzburg Hbf konnten die Werte aus dem Vorjahr hingegen nicht mehr erreicht werden.

Anschluss sichern: Ganz schön komplex

Die BEG verlangt von allen Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men, dass An­schluss­zü­ge min­des­tens fünf Minuten auf ver­spä­te­te Züge warten. Doch wer ent­schei­det letzt­end­lich, ob ein Zug wartet oder nicht?

Das über­ge­ord­ne­te Ent­schei­dungs­recht liegt beim In­fra­struk­tur­be­trei­ber DB Netz. Denn nur DB Netz hat einen Überblick über das gesamte Stre­cken­netz und kann be­ur­tei­len, welche Aus­wir­kun­gen das Warten auf An­schluss­zü­ge hat. Durch eine deutlich ver­spä­te­te Abfahrt könnten bei­spiels­wei­se Kno­ten­bahn­hö­fe im weiteren Fahrt­ver­lauf nicht recht­zei­tig erreicht werden – und das hätte wiederum weitere An­schluss­ver­lus­te zur Folge. Damit ein Anschluss si­cher­ge­stellt werden kann, müssen viele ver­schie­de­ne Stellen – Zug­per­so­nal des ver­spä­te­ten Zuges, Trans­port­lei­tun­gen von mög­li­cher­wei­se un­ter­schied­li­chen Ver­kehrs­un­ter­neh­men, In­fra­struk­tur­be­trei­ber DB Netz, Personal des An­schluss­zu­ges – zu­sam­men­ar­bei­ten (siehe In­fo­gra­fik).

Sobald feststeht, dass ein Zug nicht pünktlich an der nächsten Station ankommt, sollten Fahrgäste, die dort einen An­schluss­zug erreichen müssen, dies dem Zug­be­glei­ter mitteilen (1). Befindet sich kein Zug­be­glei­ter an Bord, können sie sich an den Trieb­fahr­zeug­füh­rer wenden. Der Zug­be­glei­ter oder Trieb­fahr­zeug­füh­rer in­for­miert die Trans­port­lei­tung seines Ver­kehrs­un­ter­neh­mens über die Ver­spä­tung und darüber, dass Fahrgäste einen Anschluss erreichen möchten (2). Die Trans­port­lei­tung gibt diese In­for­ma­ti­on an die Trans­port­lei­tung des An­schluss­zu­ges weiter (3) sowie an den In­fra­struk­tur­be­trei­ber DB Netz (4). DB Netz prüft, ob und wie lange der An­schluss­zug auf den ver­spä­te­ten Zug warten kann, und in­for­miert die Trans­port­lei­tung des Zu­brin­gers über die Ent­schei­dung (kann warten / kann nicht warten) (5). Diese gibt die Ent­schei­dung an das eigene Zug­per­so­nal sowie an die Trans­port­lei­tung des An­schluss­zu­ges weiter (6). Von der Trans­port­lei­tung geht die Meldung an die Zug­be­glei­ter (7), welche dann die Fahrgäste – ggf. mit der Bitte um rasches Umsteigen – über den Anschluss in­for­mie­ren (8).

Tritt al­ler­dings die Ver­spä­tung erst kurz vor dem Kno­ten­bahn­hof auf oder wird der An­schluss­wunsch dem Zug­per­so­nal erst spät gemeldet, kann es durchaus vorkommen, dass die Zeit zu knapp wird, um den Anschluss tat­säch­lich zu sichern.